Berichte zum Befinden des Mittelbaus zeigen auf, welche Herausforderungen auf die ETH Zürich und UZH zukommen

May 14, 2018 Martin Roszkowski No comments exist

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Die Vertretungen des wissenschaftlichen Mittelbaus der ETH Zürich (AVETH) und der Universität Zürich (VAUZ) haben im Herbst 2017 Erhebungen zur Betreuungs- und Arbeitssituation des Mittelbaus durchgeführt und die Resultate in drei Berichten zusammengefasst: “AVETH Survey on Supervision of Doctoral Students”, “Auswertung der Umfrage zur Arbeitszufriedenheit und zum Betreuungsverhältnis von Doktorierenden und Postdocs an der UZH”, “AVETH follow-up survey on salary and duties of ETH doctoral students

Die Mehrheit des Mittelbaus ist mit ihrer Situation zufrieden. An beiden Hochschulen gaben ca. 15% der Umfrageteilnehmer/innen jedoch an, mit unterschiedlichen Aspekten wie der Entlöhnung, Arbeitszeit oder Betreuung unzufrieden zu sein. Dies entspricht hochgerechnet über 1000 angehende Forscherinnen und Forscher an der ETH Zürich und UZH. An beiden Hochschulen wurden Unterschiede zwischen den verschiedenen Departementen bzw. Fakultäten ersichtlich.

An beiden Hochschulen gaben rund 25% der Teilnehmenden an, dass sie mindestens einmal das Gefühl hatten, dass ihre Betreuungsperson seine bzw. ihre Machtstellung missbraucht hatte. Häufig genannte Beispiele von Machtmissbrauch waren: unbezahlte Arbeit, unfaire Verhandlung bei Vertragsverlängerung und Kettenverträge, lange Arbeitszeiten, Arbeit an Abenden und Feiertagen, Verweigerung von Urlaub und das allgemeine Gefühl, unfair behandelt zu werden. 7% gaben an, dass sie Angst hätten, Probleme anzusprechen oder Hilfe zu suchen.

Beide Umfragen deuten unter anderem darauf hin, dass mangelhafte Kommunikation ein Problem bei der Betreuung ist. Dies umfasst unter anderem seltene Rückmeldung zur Arbeit, unklare Erwartungen an den Abschluss des Doktorats sowie unerwartete Verpflichtungen, welche nicht als Teil der eigentlichen Forschungstätigkeiten wahrgenommen werden.

In den letzten zehn Jahren hat die Anzahl der Doktorierenden und des wissenschaftlichen Personals an der ETH Zürich und UZH stetig zugenommen. Die Betreuung und Anstellungsbedingungen des Mittelbaus wurden in dieser Zeit nur geringfügig angepasst. Im vergangen Jahr begann eine vertiefte Diskussion über die existierenden Probleme.

Auch wenn die Ergebnisse ein mehrheitlich positives Bild des Mittelbaus an den zwei grössten Hochschulen der Schweiz zeichnen, tauchen gleichzeitig diverse Problemfelder auf. Es stellt sich nun die Frage, ob andere Hochschulen vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Es wäre deshalb angebracht die Situation des Mittelbaus an allen schweizerischen Hochschulen näher zu analysieren. Der Dachverband actionuni der Schweizer Mittelbau arbeitet an einem Positionspapier zur Nachwuchsförderung an Schweizer Hochschulen, welches gewisse Aspekte der bestehenden Probleme benennt und Lösungsansätze aufzeigt.

Martin Roszkowski von AVETH zur ETH-Doktorierendenbefragung: “Unsere Umfragen wurden mit freundlicher Unterstützung der Rektorin und ihres Stabs durchgeführt. Die Schulleitung hat 2017 eine breite interne Analyse zu Doktorat und Mittelbau veranlasst. Vertreterinnen und Vertreter des AVETH sind in diesen Arbeitsgruppen involviert. Wir begrüssen die Bemühungen, die Situation vertieft zu analysieren. Die bis jetzt erarbeiteten Massnahmen zur Verbesserung des Doktorats an der ETH weisen in die richtige Richtung. Der interne Bericht des Prorektors für das Doktorat ergänzt unsere Umfrageresultate. Zusammengenommen bilden die beiden Dokumente eine gute Grundlage, um mögliche Ansätze zur Verbesserung der Betreuung und Führung der Doktorierenden an der ETH Zürich zu diskutieren. Das geplante Symposium “Doctoral Supervision” Anfang 2019 wird eine zukunftsweisende Gelegenheit sein, um über die Betreuungskultur an der ETH zu reflektieren.”

Dazu Georg Winterberger von der VAUZ: “Auf Grundlage der von uns durchgeführten Umfrage haben wir verschiedene Vorschläge und Massnahmen erarbeitet, wie die Arbeitsbedingungen des Mittelbaus verbessert werden könnten. Wir regen unter anderem an, dass (1) es eine Trennung zwischen Betreuung und Anstellung gibt, (2) ein Mentoringnetzwerk aufgebaut wird, (3) es klare Regelungen bezüglich der Übernahme von Lehrtätigkeit und eigener Forschungszeit geschaffen werden, welche kommuniziert und eingehalten werden, (4) es bei erwiesenem Fehlverhalten von Professoren und Professorinnen Sanktionen geben kann und (5) Karrierewege an der UZH stärker diversifiziert werden, indem mehr unbefristete und alternative Stellen, die von Professuren unabhängig sind, geschaffen werden. Im Februar 2018 wurde von Seiten der Universitätsleitung der UZH angekündigt, dass eine unabhängige Beratungs- und Schlichtungsstelle als Anlaufstelle für Doktorierende und Forschende geschaffen wird. Wir begrüssen diesen Schritt und hoffen, dass noch weitere Massnahmen getroffen werden, um die Situation für Forschende an der UZH zu verbessern.

Kontakt AVETH: Martin Roszkowski, martin.roszkowski@hest.ethz.ch, 044 635 33 48

Kontakt VAUZ: Georg Winterberger, georg.winterberger@uzh.ch, 044 635 22 17

Kontakt actionuni: president@actionuni.ch

 

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